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Die Deutsche Jugendfeuerwehr für Antirassismus

„Nicht nur löschen, wenn es brennt!“ Gemeinsam für Antirassismus in den Kinder- und Jugendfeuerwehren

Rassismus ist in Deutschland gesellschaftliche Realität. Täglich werden Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer zugeschriebenen Herkunft Ziel rassistischer Gewalt. Rechtspopulistische Gruppen und Parteien versuchen, rassistische Sprech- und Verhaltensweisen in Parlamenten wie im Alltag zu normalisieren und die Gesellschaft weiter nach rechts zu rücken. Zugleich ist Rassismus kein ausschließliches Problem des rechten politischen Rands, sondern findet sich auch in der Mitte der Gesellschaft – denn neben dem offenen, radikalen Rassismus gibt es einen bislang viel zu wenig thematisierten Alltagsrassismus. Dieser entwürdigt und diskriminiert Menschen, die von der Mehrheitsgesellschaft als „anders“ definiert werden (beispielsweise Schwarze Menschen und People of Color), verwehrt ihnen gleiche Chancen zum Beispiel auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt oder in Bildungseinrichtungen und spielt ihre Diskriminierungserfahrungen systematisch herunter.

Nicht selten geht rassistische Abwertung mit anderen Formen der Diskriminierung einher, wie etwa der Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Religionszugehörigkeit oder des sozialen Status. Diese allgegenwärtigen Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, finden sich überall in unserer Gesellschaft. Als Teil der Gesellschaft müssen wir uns dem auch in den Kinder- und Jugendfeuerwehren stellen!

Als Jugendverband und Teil der Feuerwehr stehen wir in einer besonderen Verantwortung, uns gegen jegliche Formen der Ausgrenzung, Abwertung und Diskriminierung einzusetzen und zum Abbau des strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft beizutragen. Kinder und Jugendliche sollen in unseren Reihen jederzeit einen sicheren Ort vorfinden, an dem sie sich gleichberechtigt und mit gleichen Chancen entwickeln und teilhaben können. Als zivilgesellschaftliche Akteurinnen setzen sich Kinder- und Jugendfeuerwehren für eine vielfältige, offene und solidarische Gesellschaft ein! Das Bekenntnis der Feuerwehren zum sozialen und humanitären Engagement und unsere Grundwerte sind mit rassistischen Denk- und Verhaltensmustern – sowohl in ihrer radikalen als auch alltäglichen Erscheinungsform – unvereinbar!

Die Deutsche Jugendfeuerwehr hat sich mit einer Vielzahl an Initiativen klar gegen Rassismus und Diskriminierung positioniert. Doch auch eindeutige Bekenntnisse schützen nicht davor, dass Menschen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren mitunter Rassismuserfahrungen machen müssen. Häufig sind solche rassistischen Übergriffe nicht beabsichtigt und nicht bewusst – dennoch treffen und verletzen sie Menschen. Da viele der bei uns engagierten Menschen als Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft keine Rassismuserfahrungen machen müssen, fehlt oft der Blick für die rassistische Alltagskultur und die Formen der Diskriminierung. Zudem führt die Auseinandersetzung mit radikalen Formen des Rassismus leicht dazu, das Problem des Rassismus als ausreichend behandelt misszuverstehen und nur an den gesellschaftlichen Rändern zu verorten.

Wir erkennen als Verband dieses Problem an und verpflichten uns zu Antirassismusarbeit – insbesondere in den eigenen Reihen – als einer dauerhaften Querschnittsaufgabe. Antirassismus begreifen wir als eine Haltung, die nicht nur einfach „gegen Rassismus“ ist, sondern sich aktiv und informiert für Veränderung einsetzt. Dazu gehört u. a., rassistische Erfahrungen und Ungleichbehandlungen sichtbar zu machen, sich eigene Privilegien zu vergegenwärtigen und gegen menschenverachtende Einstellungen und Handlungsweisen (bzw. ihre Verharmlosung) vorzugehen.

Verbandliche Antirassismusarbeit

Verbandliche Antirassismusarbeit umfasst für uns in den Kinder- und Jugendfeuerwehren insbesondere:

  • die Entwicklung einer innerverbandlichen Kultur des Zuhörens, die rassistische Erfahrungen ernst nimmt;
  • das entschiedene Eintreten gegen Leugnung und Verharmlosung von Rassismus innerhalb und außerhalb des Verbands;
  • die konsequente Verfolgung rassistischer Übergriffe durch Angehörige der Kinder- und Jugendfeuerwehren;
  • die Verankerung rassismuskritischer Perspektiven in der Ausbildung unserer Gruppenleiterinnen und -leiter;
  • verstärkte Seminar- und Projektarbeit zur Geschichte von Rassismus und Diskriminierung im eigenen Ort (besonders zu Nationalsozialismus und Kolonialismus);
  • die Sensibilisierung des Führungspersonals in den Feuerwehren und insbesondere in der Nachwuchsarbeit für unbewusste Ausschlussprozesse, den Umgang mit Minderheiten und Chancenungleichheit;
  • den Einsatz für eine nicht diskriminierende Sprache und Kommunikation in unserem Verband (u. a. auch Verzicht auf Klischeebilder in der visuellen Kommunikation);
  • die Solidarisierung mit antirassistischen Initiativen und der lokale Einsatz für Antirassismusarbeit (gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort).

Was bedeutet das für uns in den Kindergruppen und Jugendfeuerwehren konkret?

  • Menschen sind Individuen, sie stehen nicht aufgrund bestimmter Eigenschaften oder einer bestimmten Geschichte für eine ganze Gruppe. Wir nehmen einander als Individuen wahr und schließen nicht vom Verhalten Einzelner auf eine ganze Gruppe und lassen uns auch nicht von Vorurteilen über Gruppen leiten.
  • Wir verharmlosen nicht, dass auch Sprache verletzend sein kann. Sowohl die Worte, die wir aussprechen, als auch die Körpersprache. Wir achten insbesondere darauf, keine diskriminierenden oder verletzenden Begriffe zu verwenden und tolerieren nicht, wenn diese Begriffe von anderen verwendet werden (z. B. das N-Wort oder andere Bezeichnungen, die auf vermeintlich „biologische“ Eigenschaften abzielen, wie der Begriff „farbige Menschen“).
  • Rassistische Vorfälle in unseren eigenen Reihen nehmen wir ernst und stellen die Täterin oder den Täter zur Rede – auch dann, wenn uns der Anlass gering vorkommen mag. Verharmlosung von Rassismus in unseren Reihen stellen wir uns laut und deutlich entgegen.
  • Wenn uns jemand rassistisches Verhalten vorwirft, gilt es zuzuhören und den anderen zu verstehen, anstatt sofort den Vorwurf als unberechtigt abzuwehren.
  • Antirassismusarbeit ist eine dauerhafte Aufgabe, die nicht mit einzelnen Projekten abgeschlossen ist. Es gilt, offen zu bleiben und immer wieder Neues zu lernen. Wir holen für die Antirassismusarbeit mit den Kindern und Jugendlichen in unseren Reihen auch Expertinnen und Experten von außen hinzu und bilden uns beständig weiter.
  • Wir unterlassen es, Kinder und Jugendliche in unseren Reihen, die nicht wie die Menschen der weißen Mehrheitsgesellschaft aussehen, auf diese Rolle zu reduzieren und immer wieder als Beispiele für die Diversität in den Kindergruppen und Jugendfeuerwehren herauszustellen.

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