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Medienkompetenz

Was ist unter Medienkompetenz zu verstehen?

Medienkompetenz ist die Fähigkeit, kritisch, selbstbestimmt, kreativ und verantwortlich mit Medien umzugehen.[1] Dazu zählt ein reflektierter Umgang, der sowohl auf die eigenen Ziele hin ausgerichtet, gleichzeitig aber auch persönlich, sozial verträglich und angemessen ist.[2] Durch die raschen Entwicklungen im Bereich der Medien müssen Fähigkeiten erlernt werden, die auch auf die zukünftige Verwendung von Medien hin anwendbar sind.[3] Es geht also nicht nur darum, lediglich den (technischen) Umgang mit zum Beispiel einem Computer oder mit einem Smartphone zu erlernen, sondern eher darum, Inhalte zu verstehen und analysieren zu können und dabei die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln und entsprechend zu handeln.

Zur Definition von Medienkompetenz wird in der Literatur meist auf Dieter Baacke aus dem Jahr 1996 verwiesen.[4] Er unterteilt Medienkompetenz in vier Bereiche: Die Medienkritik, die Medienkunde, die Mediennutzung und die Mediengestaltung. Medienkritik beschreibt die Fähigkeit, Medien auf ihre Inhalte hin zu analysieren und auf die eigene Person bezogen zu reflektieren und zu bewerten: Welche Chancen oder Risiken birgt das Medium / der Inhalt? Ist das Medium / der Inhalt für mich selbst verträglich und entspricht meinen eigenen moralischen Vorstellungen und ethischen Anforderungen? (Mehr hier zu Medienkritik)

Medienkunde umfasst das Wissen über die Funktionsweisen von Medien, die ökonomischen Hintergründe und die Wirkungen. Also zum Beispiel das Wissen darüber, wie ein Handy funktioniert, wie Werbung wirkt oder dass komplexe Algorithmen auf sozialen Plattformen Nutzerdaten erfassen und analysieren, um bestimmte Inhalte oder Werbung zu lancieren.

Die Dimension der Mediennutzung beschreibt, wie Menschen Medien für die eigenen Bedürfnisse und Anliegen verwenden und welche Prozesse bei der Nutzung ablaufen. Bereits beim Anschauen eines Films braucht es gewisse Fähigkeiten, um das Gesehene zu verarbeiten und zu verstehen.[5] Mediennutzung umfasst dabei sowohl den Konsum von Medieninhalten als auch das interaktive Handeln mit Medien: Wie kann ich Medien nutzen, um an (verifizierte/geprüfte) Informationen zu gelangen oder eine Überweisung zu tätigen?

Zuletzt benennt Baacke den Bereich der Mediengestaltung: Dazu zählt die innovative Mediengestaltung, also die Veränderung und Weiterentwicklung der Medien, und die kreative Mediengestaltung, also neue, kreative Umsetzungsmöglichkeiten. Sicher gehört hier das eigene Produzieren von Medien und deren Inhalten dazu.


[1] Six/Gimmler (2007), S. 281., [2] Six/Gimmler (2007), S. 282., [3] Süss/Lampert/Wijnen (2010), [4] Süss/Lampert/Wijnen (2010), S. 111., [5] Baacke (2001)

Erweiterte Medienkompetenzbegriff

Erweitert werden kann der Medienkompetenzbegriff nach Baacke durch die Handlungskompetenz, die den Menschen als aktiv handelndes Individuum wahrnimmt, das selbst über seine Aktivitäten anhand seiner Bedürfnisse bestimmt.

Außerdem erfordert Medienhandeln auch eine soziale Kompetenz, da Medien gerade im Bereich der sozialen Medien zur Kommunikation und sozialen Interaktion genutzt werden.[1] Auch eng verknüpft mit der Medienkompetenz ist somit die Kommunikationskompetenz, die wahrscheinlich eine Grundlage für den Umgang mit Medien ist. Es braucht sprachliche und schriftsprachliche Fähigkeiten, um miteinander (über Medien) in Kontakt zu kommen. Außerdem sind Wissen über sozial angebrachte Kommunikation, über die Verwendung von Zeichen und kulturelles Kommunikationswissen notwendig.

Zudem ergänzt Stefan Aufenanger eine ästhetische Dimension: Darunter versteht er die adressaten- und medienspezifische Gestaltung von Medieninhalten, also zum Beispiel wie eine Website oder ein Flyer nach ästhetischen Maßstäben gestaltet wird, sodass die Zielgruppe angesprochen und die Informationen aufgenommen werden können, aber auch, dass das, was die Gestalterin oder der Gestalter erreichen wollte, eintritt.[2]


[1] Hierzu auch Moser (2015), [2] Egle (2022)

Medienkompetenz als lebenslange Bildungsaufgabe

Bereits durch den Versuch, eine Definition des Begriffs Medienkompetenz aufzustellen, zeigt sich beim Ziel, medienkompetent zu werden, wie komplex und vielfältig die Anforderungen sind. Im Sinne von „Medienbildung“ könnte eher davon gesprochen werden, dass die Erlangung von Medienkompetenz ein allgemeiner Aspekt der Persönlichkeitsbildung ist, der sich auf Medien bezieht. Die Erlangung von Medienkompetenz kann also als ganzheitliche, lebenslange Bildungsaufgabe verstanden werden.[1]


[1] Süss/Lampert/Wijnen (2010)

Medienkompetenz als intergenerationale Chance

Sieht man die Erlangung von Medienkompetenz als lebenslange Bildungsaufgabe, versteht sich von selbst, dass sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ein Bildungsauftrag besteht. So können Kinder und Erwachsene beziehungsweise. verschiedene Generationen „[…] im Umgang mit Medien voneinander lernen, sofern sie sich ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen bewusst sind“.[1] Erwachsene können von Kindern beispielsweise den Mut im Umgang oder auch die Fingerfertigkeit mit Medien lernen. Kinder und Jugendliche hingegen können von den Stärken der Erwachsenen profitieren, zum Beispiel in moralischen und sozialen Fragen.[2]

In der praktischen Arbeit der Jugendfeuerwehr bedeutet das die Chance, dass nicht nur den Kindern der Umgang mit Medien beigebracht wird, sondern die Gruppenleitenden offen dafür sein sollten, von den Kindern und Jugendlichen zu lernen.


[1] Egle (2022), [2] Ebd.

Medienkompetenz als gesellschaftliche Herausforderung

Medienkompetenz beziehungsweise Medienbildung zielt darauf ab, dass allen Menschen der Gesellschaft der Zugang und die Nutzung von Medien ermöglicht wird. Alle sollen gleiche Chancen haben, auf Medien und ihre Inhalte zuzugreifen, um so Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Außerdem steht die Gesellschaft vor der Herausforderung, einer Wissenskluft entgegenzuwirken. Die sogenannte Wissenskluft-Hypothese besagt, dass Medien dazu beitragen, dass durch Medien die Kluft zwischen verschiedenen sozialen Gruppen in der Gesellschaft auch aufgrund von Wissen und Bildung wächst. Gruppen mit hohem sozioökonomischem Status beziehungsweise einem höheren Bildungsstatus, die zum Beispiel finanziell gut versorgt sind, einen hohen Schulabschluss oder Studium haben, profitieren viel stärker von informierenden Medienangeboten. Im Vergleich zu Personen mit geringerem formalem Bildungsstatus erwerben sie mehr Wissen und nutzen es.[1]

Diese gesellschaftlichen Herausforderungen sind auch in der Jugendfeuerwehr zu beachten: Wird mit Medien gearbeitet, muss darauf geachtet werden, dass die Inhalte für alle Kinder und Jugendlichen gleich verständlich sind. Die Angebote müssen allen Kindern und Jugendlichen zugänglich sein, was Geräte, Internetverbindung oder Bezahlangebote angeht. Noch entscheidender ist, Medien nicht nur zu konsumieren. Ein Anfang ist, darüber zu sprechen und zu reflektieren. Ein nächster Schritt ist, Medien einer Quellenkritik zu unterziehen, um herauszufinden, aus welcher Perspektive und vor welchem Wertehintergrund Informationen vermittelt und angeboten werden. Ein abschließender Schritt dürfte sein, Inhalte aus dem Internet oder Medien für seine eigenen Interessen und Bedürfnisse einzusetzen oder zu gebrauchen. Letztlich geht es um Persönlichkeitsentwicklung und das Schlagwort „mündige Bürgerinnen und Bürger“. Dadurch kann auch in den Reihen der Feuerwehren der gesellschaftlichen Wissenskluft entgegengewirkt und Teilhabe und Beteiligung gefördert werden.


[1] Paechter (2007)

Medienkompetenz in der Jugendarbeit

Durch Medienbildung lernen Kinder und Jugendliche, sicher und kompetent mit digitalen Medien umzugehen. Sie werden eigenständige und reflektierte Handelnde und erwerben Kompetenzen, um sich sicher in der Medienwelt zu bewegen. So erkennen sie Gefahren selbstständig und können sich davor schützen. Sie identifizieren gefährliche oder verwirrende Inhalte und wenden sich an erwachsene Vertrauenspersonen, um Hilfe zu erhalten. Auf der anderen Seite können sie auch Chancen der Medien erkennen, wissen, wann und zu welchen Zwecken sie bestimmte Medien benutzen möchten. Sie können Medien und deren Inhalte deuten, verstehen und hinterfragen.

Zur Vermittlung von Medienkompetenz beziehungsweise zur Medienbildung braucht es Medienpädagogik in den verschiedensten Bereichen der Bildung für Kinder und Jugendliche. Diese erstrecken sich vom Elternhaus über die Schule bis hin zu außerschulischen Bildungsangeboten wie zum Beispiel der Jugendfeuerwehr.

Aufseiten der Pädagoginnen und Pädagogen sowie Leitenden von Kinder- und Jugendgruppen wird daher neben der eigenen allgemeinen Medienkompetenz auch eine medienpädagogische Kompetenz verlangt. Medienpädagogische Kompetenz meint die Fähigkeit, Medienkompetenz durch pädagogische Arbeit zu vermitteln. Dazu mehr im nächsten Kapitel.

Linktipp Medienkompetenz und Medienbedeutung