Leitung sein

Um ihrer Verantwortung Genüge zu tun, wird ein Mitglied der Jugendfeuerwehr von einer Führungskraft in die Handhabung der Feuerwehrtechnik eingewiesen.

Gruppenleiterin oder Gruppenleiter1 in der Jugendfeuerwehr oder in Kindergruppen zu sein, bringt eine große Verantwortung mit sich. Natürlich braucht es ein grundlegendes feuerwehrtechnisches Wissen. Darüber hinaus stellt die Leitung einer Gruppe auch noch viele andere Anforderungen an die Gruppenleitenden: Wir müssen motivieren, organisieren, Vorbild, Freundin oder Freund und Ansprechperson sein. Wir müssen uns in rechtlichen Grundlagen auskennen, wissen, woher das Geld für die nächste Freizeit kommt, aber auch vermitteln, coachen oder beteiligen können und vieles mehr.

Doch wovon hängt ab, wie eine Gruppe geleitet wird? Welche Fähigkeiten werden von Gruppenleitenden erwartet?

Leitungsverhalten für Jugendfeuerwehrwartinnen, Jugendfeuerwehrwarte und Leitende von Kindergruppen: Wovon ist abhängig, wie geleitet wird?

Wie eine Gruppe geleitet wird bzw. wie Gruppenleitende handeln, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dies wird im Folgenden näher ausgeführt.

Persönlichkeit plus Kompetenz ergibt Leitungshandeln.

Persönlichkeit

Zunächst einmal spielt die Persönlichkeit einer Gruppenleiterin oder eines Gruppenleiters eine zentrale Rolle. In einer Leitungsfunktion bringen Leitende immer auch sich selbst und ihre persönlichen Charaktereigenschaften mit ein. Sie versuchen Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen, um so deren Vertrauen zu gewinnen und ein Umfeld zu schaffen, in dem diese sich wohlfühlen. Nicht nur Gruppenleitende setzen sich mit den Kindern, ihren Persönlichkeiten und ihren Eigenarten auseinander. Auch umgekehrt lernen die Kinder die Persönlichkeit der Leitungsperson kennen. Sie beobachten die Gruppenleitung, interagieren mit ihr, testen sie aus und provozieren auch mal. So wissen die Kinder und Jugendlichen nach einer Weile ganz genau, wie ihre Gruppenleitenden ticken und wie sie mit ihnen umgehen müssen. Dessen sollten sich die Gruppenleitenden selbst auch bewusst sein: Ihre Verhaltensweisen, ihre Werte, ihre Antriebe, ihre eigene Motivation, all das, die Persönlichkeit, fließt in das eigene Leitungsverhalten ein. So hat auch die eigene Biografie einen Einfluss darauf, wie geleitet wird. Die selbst gemachten Erfahrungen als Gruppenkind, wie man seine eigenen Gruppenleitenden erlebt hat, aber auch die Vorbilder, die man in der Kindheit und Jugend hatte. All das prägt eine Gruppenleiterin und einen Gruppenleiter, hat damit ebenfalls Einfluss auf das eigene Verhalten und „färbt“ letztlich auch auf die Gruppe ab.

Kompetenz

Nicht nur die Persönlichkeit spielt beim Gruppenleiten (gleich Leitungshandeln) eine zentrale Rolle. Hinzu kommen die eigenen Kompetenzen.

Kompetenzen sind die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Gruppenleitende mitbringen bzw. erlernen und situationsgerecht beim Leitungsverhalten einsetzen.

Die Kompetenzen unterscheiden sich in Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz.

Eine Gleichung, in der Persönlichkeit und Kompetenz gemeinsam (Leitungs-)Handeln ergeben. Kompetenz setzt sich dabei aus Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz zusammen.

Zur Fachkompetenz zählt das Wissen, das notwendig ist, um eine Jugendfeuerwehr- oder Kindergruppe zu leiten. Das fängt bei feuerwehrtechnischem Wissen an, geht über Wissen zu den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, Pädagogik und rechtlichen Grundlagen sowie Versicherungsangelegenheiten. Es ist nicht notwendig, in allen Fachbereichen Expertin oder Experte zu sein. Eine gewisse fachliche Kompetenz, nicht nur in der Feuerwehrtechnik, gibt allerdings Sicherheit und Professionalität. Sicher gehören hier Wissen um Jugend- und Kinderrechte dazu, ebenso dass es einen Schutz-, Förderungs- und Beteiligungsauftrag gibt und was allgemeine Jugendarbeit zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen bedeutet

Fachliches Expertenwissen ist in der Leitung von Kinder- und Jugendgruppen nicht ausreichend. Es bedarf weiterhin einer gewissen Methodenkompetenz. Methodenkompetenz bedeutet in einer Situation die Mittel und Techniken zu kennen und einsetzen zu können, um die vorgenommenen Ziele umzusetzen. Ist beispielsweise das Ziel, in einer Gruppenstunde die Gruppendynamik und Gemeinschaft unter den Kindern/Jugendlichen zu fördern, braucht es sowohl Wissen über die Gruppe und grundsätzliche pädagogische Grundlagen zur Gruppendynamik als auch einen gut geplanten Ablauf, passende Spiele und Methoden.

Eine weitere grundlegende Kompetenz einer Gruppenleitung ist die Sozialkompetenz. Sie beschreibt die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu interagieren und zu kommunizieren. Dabei müssen andere Menschen (Kinder und Jugendliche, aber auch Teammitglieder) gedeutet und verstanden werden, um anschließend sozial angemessen zu reagieren. Es benötigt ein gewisses Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen. Das eigene Verhalten sollte entsprechend wertschätzend, ruhig, motivierend und empathisch, aber auch konsequent sein

Selbstkompetenz ist die Fähigkeit, die eigenen Stimmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und mit ihnen angemessen umzugehen. Im Gegensatz zur Sozialkompetenz ist die Selbstkompetenz auf die eigene Person ausgerichtet; sie ist aber in der Interaktion mit anderen Personen genauso von Bedeutung. Kommt die Gruppenleitung zum Beispiel gerade wütend aus einer privaten Streitsituation in die Gruppenstunde, so ist es notwendig, diese persönliche Wut aus einem anderen Kontext nicht mit zu den Kindern/Jugendlichen zu nehmen und nicht auf Situationen in der Gruppenstunde zu übertragen.

Erfahrung und Reflexion

Aus der Persönlichkeit und der Kompetenz ergibt sich das Gruppenleiten bzw. das Leitungshandeln. Die Persönlichkeit und die Kompetenz entwickeln sich ein Leben lang weiter und damit auch das Leitungshandeln. Das passiert vor allem dadurch, dass Gruppenleitende sich in Gruppensituationen ausprobieren und dadurch Erfahrungen machen, also „Learning by doing“. Durch Reflexion der gemachten Erfahrungen können sich die Persönlichkeit und auch die Kompetenzen weiterentwickeln. Reflexion heißt, dass z. B. die Gruppenstunde mit dem Team im Anschluss besprochen und ausgewertet wird. Gemeinsam und konstruktiv können sich die Teammitglieder gegenseitig Feedback geben und sich so weiterentwickeln.

Situation und Gruppe

Wie eine Gruppe geleitet wird, hängt nicht nur von der Person selbst mit ihrer Persönlichkeit, ihren Kompetenzen und Erfahrungen sowie Reflexionsvermögen ab, sondern auch vom Umfeld, also von der Situation und der Gruppe. Das Leitungsverhalten muss immer an die anwesenden Kinder und Jugendlichen angepasst werden. Sind z. B. nur neue und junge Kinder zwischen acht und zehn Jahren anwesend, wird anders geleitet, als wenn langjährige Jugendfeuerwehrmitglieder da sind, die kurz vor dem Übertritt in die Einsatzabteilung stehen. Ist das Wetter sehr warm, die Gruppe unruhig und aufgedreht, muss die Leitung darauf reagieren und ggf. spontan und flexibel handeln und das Programm durch Leitungshandeln anpassen.

Weiterhin ist das Leitungsverhalten abhängig von der Situation: Ist die Gruppe auf unwegsamem oder unbekanntem Gelände zur Wanderung unterwegs, braucht es mehr Führung, klare Ansagen und (mehr) Aufsicht, als wenn die Gruppe zum gemeinsamen Spielen an einem Winternachmittag im Gruppenraum zusammenkommt. Auch ist das Ziel des Zusammenkommens ein Faktor, der zum Leitungsverhalten beiträgt: Geht es darum, dass die Kinder selbst Absprachen treffen lernen und etwas selbst organisieren sollen, so erfordert das eine gewisse Zurückhaltung von der Gruppenleitung. Hier ist das Leitungshandeln geprägt vom Begleiten, Fördern und Unterstützen.

Fazit: Wie Gruppen geleitet werden, hängt von vielen Faktoren ab

Insgesamt zeigt sich durch die Ausführungen, dass Leitungshandeln nicht gleich Leitungshandeln ist. Es gibt kein Patentrezept für das perfekte Leiten. Es ist abhängig von der Person, die leitet, deren Persönlichkeit und Kompetenz, aber auch von den gemachten Erfahrungen. Zusätzlich ist das Handeln auch je nach Situation/Umwelt und Gruppe unterschiedlich.

Abgrenzung zu Ausbilder/-innen in der Feuerwehr

„Ausbilderin oder Ausbilder in der Feuerwehr“ ist eine definierte Funktion im Bereich der Kreisausbildung. Ausbildende haben einen entsprechenden Lehrgang gemäß FwDV 2 erfolgreich absolviert und führen die theoretische und praktische Ausbildung in den Lehrgängen durch, die nicht bzw. nur begrenzt an Landesfeuerwehrschulen stattfinden. Dabei handelt es sich zumeist um Lehrgänge mit feuerwehrtechnischen Inhalten für Mitglieder der Einsatzabteilung. Die hierfür geltenden Anforderungen und Regelungen sind deutschlandweit einheitlich in der FwDV 2 beschrieben.

Da das Feuerwehrwesen in Deutschland in die Gesetzgebungskompetenz der Länder fällt, können jedoch länderspezifisch zusätzliche oder abweichende Regelungen bestehen.

Betreuende in der Kinder- und Jugendfeuerwehr grenzen sich zu Ausbildenden in der Feuerwehr durch die unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder und Jugendliche im Alter von zumeist 5 bis 18 Jahren) und die darauf angepassten Methoden der Wissensvermittlung ebenso ab wie durch den erweiterten Aufgabenbereich der Betreuung Minderjähriger.


Autorin und Autoren

  • Dr. Andreas Adams, Hessische Jugendfeuerwehr
  • Imke Klotzbuecher, ehemals Jugendfeuerwehr Schleswig-Holstein
  • Marcus Moser, Jugendfeuerwehr Hamburg

Fußnoten

  1. Hiermit sind gleichermaßen Jugendwartinnen und Jugendwarte als auch Jugendbetreuende sowie Leitende und Betreuende von Kindergruppen gemeint und angesprochen! ↩︎